#Le2501 - Eskalation mit Ansage: Oder: eine absurde Demo für 'Pressefreiheit'

screenshot le2501Eine Analyse von Fred Kowasch

26.01.2020
Es war eine Eskalation mit Ansage. Schon seit Monaten wurde szeneintern für diese Demonstration bundesweit mobil gemacht. Dabei wurde deutlich: da kommen sicher nicht nur diejenigen nach Leipzig, denen es um den Weiterbetrieb des Internetmediums 'linksunten.indymedia.org' geht. Da kommen die, die auf direkten Zoff - auf den unmittelbaren Battle - mit den Cops aus sind. Die Gewaltdrohungen - zwei Wochen vorher in einem 'Mobi-Video' auf VIMEO veröffentlicht - taten ihr Übriges.

Da dauerte es nicht lange, bis es 'zur Sache' ging. Ein paar Hundert Meter waren bei diesem Marsch für 'Pressefreiheit' vorüber, als Silvesterraketen, Böller und Steine flogen. Aus einer Gruppe von 20 Autonomen. Die Polizei hielt sich - nach Augenzeugenberichten - bis dahin stark zurück. Sah sie sich doch - nach den jüngsten Ereignissen der Silvesternacht am Connewitzer Kreuz - herber öffentlicher Kritik ausgesetzt.

Dass dann ein paar selbsternannte Streetfighter die Presse angreifen, ihren Vertretern direkt Schläge androhen, mag ein paar Leipziger Szenejournalisten vielleicht verwundern. In den Augen der Autonomen ist dies nur konsequent. Und seit Jahren, Jahrzehnten Usus auf solchen Demonstrationen. Wer lässt sich schon gern bei Sachen filmen, die vom Staat als Straftaten geahndet werden. Nicht zufällig startete diese Veranstaltung für 'Pressefreiheit' mit Einbruch der Dunkelheit.

Es geht diesen Leuten um den Kick. Den Adrenalinkick. Da unterscheiden sie sich kaum von Fußball-Hooligans. Auch wenn es - manchmal - politisch verbrämt wird.

2020 steht ganz klar Leipzig im Fokus. Teile der militanten Szene haben sich dort längst verselbstständigt. Deutlich wurde dies durch den koordinierten Angriff auf eine Außenstelle des Bundesgerichtshofes (BGH) zum Jahreswechsel 2018/19, an der bis zu 60 Menschen beteiligt gewesen sein sollen.

Und das nächste Event 'wartet' bereits. Mitte September läd 'Mutti' Merkel die Staatschefs der Welt zum EU-Gipfel in die einstige 'Heldenstadt' ein. Dann - so hört man aus der Szene - soll es richtig krachen.

Screenshot: Twitter-Eintrag einer freien TAZ-Journalistin vom 25.01.2020 aus Leipzig

Australien Open 2020: Der nächste 5-Satz-Knaller

Eigentlich ist es fast unmöglich, den Fünf-Satz-Krimi zwischen Federer und Millman aus der 3. Runde noch zu toppen. Dieser Partie gelang es. Vier Mal über Tie-Break, Genialität und Wahnsinn dicht nebeneinander. Und: was so einfach - fast hingerotzt aussieht - ist Ergebnis harter Arbeit. Das Vidscho fängt bei einem der wohl spektakulärsten Ballwechsel in diesem Jahr an. Ein episches Tennismatch zum Geniessen .... Mit einem Nick Kyrgios auf den jetzt im Achtelfinale am Montag (ab 9 Uhr aus Eurosport) sein ganz spezieller 'Freund' Rafael Nadal wartet.

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Die gekaufte Republik - one by one

Eine (unvollständige) Zusammenstellung

24.01.2020
Der ehemalige Wirtschaftsminister und - bis November - noch im Bundestag sitzende ehemalige SPD-Abgeordnete Siegmar Gabriel (SPD) soll nach einer Mitteilung der Deutschen Bank neues Mitglied im Aufsichtsrat werden. Gabriel war zudem Außen- und Umweltminister. Von 2009 bis 2017 bekleidete er das Amt des SPD-Vorsitzenden. Aktuell ist er Vorsitzender des Lobby-Vereines 'Atlantik-Brücke'.

17.11.2016
Daniel Bahr
(FDP) soll zum 01. Januar 2017 in den Vorstand der Allianz-Krankenversicherung aufrücken. Das berichtet das 'manager magazin'. Bereits vor zwei Jahren war der ehemalige Bundesgesundheitsminister zum Versicherungskonzern gewechselt. reichstag2Bahr ist mittlerweile der dritte FDP-Minister der vergangenen Regierung, der von der Politik in die Wirtschaft gegangen ist.

16.06.2015
Rezzo Schlauch (Grüne), Michael Glos (CSU) und Markus Meckel (SPD). Drei Beispiele von 94. Mindestens 15 Prozent der Abgeordneten üben nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag eine Lobbyfunktion aus. Und dabei sind noch nicht einmal die Sitze in Aufsichtsräten mitgezählt. Zu diesem Ergebnis kommt der Politkwssenschaftler Cornelius Witt in seiner Masterarbeit, in Auszügen bei abgeordnetenwatch.de veröffentlicht. Besonders häufig wechseln FDP-Mitglieder ihre 'Profession'. Bei der Linken gibt es diesen Seitenwechsel nicht.

05.02.2015
Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsminsiterium Katharina Reiche (CDU) wechselt als Lobbyistin in die Wirtschaft. Zum 01.09.2015 wird sie neue Hauptgeschäftsführerin beim Verband Kommunaler Interessen (VKU). Nach Jahren der Untätigkeit hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der eine Karenzzeit von mindestens einem Jahr für Regierungsmitglieder vorsieht, die in die Wirtschaft wechseln wollen. Für die CDU-Politikerin Katharina Reiche gilt diese Regelung nicht. 

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'Vor 30 Jahren': "Linke jagen" - Leipzig im Januar 1990

Mitte Januar 1990 in Leipzig: schwarz, rot, goldene Fahnen wehen auf dem Innenstadtring. Zehntausende, die rufen: "Wir sind ein Volk". Einige von ihnen machen auf dem Karl-Marx-Platz Jagd auf Grüppchen, die eingehüllt in DDR-Fahnen abseits stehen. Wir haben einmal in die Fotokiste gegriffen und ein paar alte Aufnahmen herausgesucht. Viel Spaß mit den zeithistorischen Fotos und dem Artikel eines 24jährigen, der gerade als Reporter begann. 
Leipzig 15011990 4
Foto: Fred Kowasch - All Rights reserved

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VoD: Hacking Justice - Der Richter und der Rebell - (Dokumentarfilm, 91 min, 2017)

Julian Assange, der Gründer von WikiLeaks, sitzt in Großbritannien seit Monaten im Gefängnis. Unwürdig wurde er am 11. April aus der equadorianischen Botschaft in London gezerrt. Eine Auslieferung in die USA steht - möglicherweise - bevor. Mitte November erst haben die schwedischen Behörden die Ermittlungen gegen ihn wegen angeblicher Vergewaltigung eingestellt.

Assange und WikiLeaks - der Fall vom Medienstar zum 'Bad Guy'. Wohl auch weil seine Organisation im Oktober 2016 den gehackten E-Mail-Verkehr aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton öffentlich stellte. Und damit Einfluss auf den amerikanischen Präsidentenwahlkampf nahm. Der Dokumentarfilm 'Hacking Justice' schildert hautnah die Zeit von Assange in der equadorischen Botschaft in London. Und wie ihm ein ehemaliger spanischer Richter - der jetzt als Anwalt arbeitet - bei seinem Kampf gegen die Justiz unterstützt. Noch bis zum 31.03.2020 in der ARD-Mediathek.

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Im März hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. Mitte Oktober nun befasste sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Thema. Mehr Details auch unter sportspool.tv


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower im Februar 2009 nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht. (Text März 2019)

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Berlin-Tipps

berlin bei nacht

26.01. 19:00 Bi Nuu: The Menzingers, Spanish Love Songs, Mannequin Pussy (Punk-Rock) 28e
26.01. 19:00 Tiki Heat: Eat Lipstick (Glam-Rock) 0e
26.01. 20.00 Berghain / Kantine: Ilgen-Nur, Monako (Indiepop, Empfehlung) 16e
26.01. 20.00 Maze: Noah Levi
26.01. 20.00 Tennis: One Room Hotel (Bedroom Pop)
26.01. 21:00 Hau II: Jessica Ekomane, Andrea Belfi (Electronic) 16e
26.01. 23:59 Suicide: Matchy, Alxj, Swaytone (Techno)

27.01. 19:30 Hau II: Karel van Laere (Electronics) 16e
27.01. 19.00 Silent Green: Joshua Radin (FolkRock) 31e
27.01. 19:30 Schokoladen: Common Holly, Project Heartbreak (Dark Indiefolk) 7e
27.01. 20:00 Bi Nuu: 070 Shake (R&B, Trap) 29e
27.01. 20.00 Columbiahalle: Käptn Peng & Die Tentakeln von Delphi (HipHop) 32e
27.01. 21.00 Madame Claude: Sasha Dolgiy, NFNF (Exp.)

28.01. 19:00 Hau I: Hercules of Lumbumbashi (Electronics) 18e
28.01. 19:30 Hau II: Karel van Laere (Electronics) 16e
28.01. 20.00 Frannz Club: Tyler Childers (Folk-Rock) 26e
28.01. 20.00 Gretchen: Jeff Parker (Jazz, Funk) 24e
28.01. 20.00 Huxleys: Steel Panther, Wayward Sons (Heavy Metal, Glam) 49e
28.01. 20.00 Silent Green: Poppy Ackroyd 24e
28.01. 21.00 Madame Claude: Jordan, Intoxicat (Exp.)
28.01. 21.30 Berghain: Dis Fig, Rakta, Ashley Fure 22e
28.01. 22.00 Quasimodo: Manu Katché (Electro, Jazz ) 37e

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Open Air Festivals 2020 - Ein Überblick

festivals 20195./6./7.Juni
Rock am Ring - Nürburgring
rock-am-ring.com
(Green Park, Broilers, Billy Talent, Broilers, Trettmann) 

18.-20.Juni
This Is Ska - Wasserburg Roßlau/ Dessau
this-is-ska.de
(Oxo 86) 

19./20./21.Jun
Hurricane - Scheesel
hurricane.de
(Seed, The Killers, Kings of Leon)

3./4./5..Juli  
Summerjam - Fühlinger See, Köln
summerjam.de
(Gentleman, Trettmann, Fettes Brot)

16./17./18.Juli
Back To Future - Glaubitz/Riesa
back-to-future.com
(ZSK, Oxo 86, Red London)

17./18./19.Juli 
Meltfestival - Ferropolis, Gräfenhainichen
meltfestival.de

31.Juli/1./2.August 
Resist To Exist - Berlin
resisttoexist.de/wp/

10./11./12..August 
SonneMondSterne - Saalburg
sonnemondsterne.de/


14./15./16.August
Highfield, Störmthaler See, Leipzig
highfield.de/
(Beatsteaks, Sido)

 

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (6)

von 'Jay' Steinert

Am nächsten Tag besteigen wir den Zug. Wir fahren von Phan Thiet nach Saigon (Ho-Chi-Minh City). Der Zug ist ca. 50 Jahre alt, aber ganz gut in Schuss und er füllt sich langsam, aber stetig mit Passagieren. Eine Zugfahrt ist jetzt, nach der ganzen, ewigen Busfahrerei eine sehr willkommene Abwechslung. Schließlich ist Endspurt angesagt, Saigon ist für uns das Ziel dieser Reise, letzte Möglichkeit das Transportmittel zu wechseln. Wir bleiben noch 3 Nächte hier, dann geht es wieder zurück. vietnam6 bahnhofDer Zug trottelt indes mit stetiger Ruhe durch die bunte Landschaft, viel Ackerbau wird hier betrieben, bis ganz an die Schienen heran sind die Felder bestellt. Die Fahrzeit ist mit 4 Std. angegeben, wir brauchen 5 Std. Der Bahnhof für diese Millionenstadt ist ein Witz und zwar ein ganz schlechter. Meine U-und S-Bahn-Haltestelle in Leipzig-Gohlis hat mehr Gleise! Und hier geht es zum gesamten Tagebuch ....

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Borderlands / Grenzgänge - Mit der Kamera zwischen den Fronten (43 min, 2012)

Steine und Gummigeschosse bei Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten an der Mauer im Westjordanland, Polizeigewalt beim Grenzhandel zwischen der spanischen Enklave Ceuta und Marokko, betrunkene Teenager, die auf den Straßen von Belfast nach der Kamera greifen: Die Arbeit des mit zwei World Press Awards ausgezeichneten Fotografen Kai Wiedenhöfer spielt sich in Extremen ab. Fred Kowasch hat ihn bei diesen Grenzgängen begleitet. Der Film lief auf zdf.info, zdf.kultur, 3sat und der Deutschen Welle. Aktuell ist er - im Rahmen der Ausstrellung 'Confrontier' - bei der Stadt Wolfsburg zu sehen.

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'Inside Black Bloc': Bewurf mit Mamorsteinen - der 6. Dezember in Athen

von Fred Kowasch, Athen

Der 6. Dezember ist in Exarchia so etwas wie - früher - der 1. Mai in Kreuzberg. Leere Straßen. Am Rande brennen ein paar Feuer. Steine fliegen. Nur sind sie hier aus Mamor. Und werden gezielt auch mal auf Journalisten geworfen. Dass ist der Unterschied ….

athen 0612 demo zwoelf uhr28 Stunden Athen. Drei Demonstrationen miterlebt. Die auf dem immergleichen Weg gingen. Laut waren. Am Ende ist da jedoch nix passiert. Eine materialisch ausgerüstete Polizei, die fast den ganzen Weg mit Gasmasken bestreitet. Später werde ich wissen wieso.

Mädels und Jungs - die meisten von Ihnen noch keine zwanzig - die fast beiläufig zur Demo mit einem Motorradhelm angeschlendert kommen. Um dann - im ‚Black Block‘ materialisch aufzutreten. Eine interessante und sehr spezielle Formation hier in Griechenland. Details gibt es allerdings erst später - in unser gleichnamigen Dokumentation.

Eigentlich ist der 6. Dezember für die anarchistische und autonome Szene so etwas wie ein Gedenktag. An diesem Tag wurde vor elf Jahren der 15jährige Alexis Griporopoulos von einem Polizisten in Exarchia erschossen. Deshalb auch ziehen die Demonstranten nach ihrem Aufzug am Abend direkt ins Viertel.

Dieses ist fast menschenleer. Keine Autos an der Straße, kaum Licht in den Wohnungen, alle Geschäfte geschlossen. Über allem kreist, gespenstig fast schon, ein Hubschrauber. Am Straßenrand vereinzelt Müllhaufen, die von Schwarzgekleideten angezündet werden. Polizisten stehen in einiger Entfernung, lucken vorsichtig um die Ecken herum. Ein paar Straßen weiter sind zwei Wasserwerfer im Einsatz. Einer löscht gerade ein Feuer.



In gut Hundert Meter Entfernung - am Exarchiaplatz - geht es rund. Menschen rennen, Qualm steigt auf. Mit ein paar Kollegen gehe ich dorthin. Der Qualm ist beizend, neben mir husten ein paar neugierige Passanten. Tränen in den Augen. Ein Glück dass ich vorher noch diese Gasmaske bei einem Straßenhändler in der Athener Altstadt gekauft habe. Zehn Euro, gut angelegt.

Plötzlich werden wir beworfen. Die Steine, kommen vom Exarchia-Platz her. Rennen. Den Weg zurück. Flüchten hinter die Absperrungen. Nehmen die Masken ab. Verschnaufen. Über dem Viertel liegt ein ätzender Tränengasnebel. Ein paar Straßen entfernt geht es weiter. Eine Polizeieinheit wird mit Steinen beworfen. Einzelne von einem grünen Laser geblendet. Immer und immer wieder. Fast stoisch nehmen sie es hin.

Zusammen mit einer Gruppe Journalisten beobachten ich die Szene. Suche Deckung hinter ein paar Stützpfeilern. Als der Steinbewurf stärker wird, auch wir werden unter Bewurf genommen. Plötzlich: drei Detonationen. Dann stürmen die Cops vor. Einer wird festgenommen. Dann ist Ruhe im Viertel. Nach nicht mal einer Stunde ist das Spektakel beendet.

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Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (92 min, 2018)

Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans,'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.

Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all).
Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

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