Klare Kante: Thüringen. Oder: Wenn die Nerven blank liegen

von Fred Kowasch

07.02.2020 - 7:15 Uhr
In Zeiten wie diesen ist alles vorstellbar. Das ein Donald Trump US-Präsident wird. Das Großbritannien aus der EU austritt. Das ein deutscher Landesparteichef mit 5,0066 Prozent an Wählerstimmen Ministerpräsident ist.

Dieser 5. Februar 2020 im Erfurter Landtag hallt nach. Hat bundesdeutsche Parteiengeschichte geschrieben. Was (und wer) am Ende bestehen bleibt - wer weiss dies aktuell schon?! Selten waren politische Zeiten so spannend und dynamisch. Änderte sich die Nachrichtenlage im Stundentakt. Nur eines scheint sicher: mit der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten wird sich die politische Landschaft der Bundesrepublik verändert haben.

Nicht nur auf Landesebene stehen FDP und CDU beschädigt da. Vielmehr vermitteln sie auch bundesweit ein zerrissenes Bild. Eine 'Freie Demokratische Partei' bei der hochrangige Vertreter einen Wahlsieg (von AfD-Gnaden) bejubeln, während andere entgeistert ihre Wut in ihren Twitteraccount hacken. An der Spitze ein Christian Lindner, der von einen auf den anderen Tag den perfekten Wendehals miemt. 

Auch bei der CDU liegen die Nerven blank. Da erreicht eine Bundesvorsitzende einen ihrer Landesverbände nicht mehr. Muss jetzt vielleicht mit ansehen, wie ein SED-PDS-WASG-LINKE Kandidat von Ihren Gnaden doch noch in das höchste Amt im Freistaat gehievt wird. So oder so - es wird die CDU zerreissen.

Am Rande steht - mit einem Grinsen im Gesicht - die AfD. Egal wie die Sache nun ausgeht: sie kann nur gewinnen. Im Fall einer weiteren Abstimmung im Landtag - nach vollzogenem Rücktritt des amtierenden Ministerpräsidenten könnte sein 'Nachfolger dann durchaus Ramelow heissen - treibt sie die CDU vor sich her. Sollten die 1,7 Milionen Thüringer Wahlberechtigte aber erneut an die Urne gerufen werden - was angesichts der Schwäche von CDU, Grüne und FDP derzeit wohl wenig wahrscheinlich ist - dann wird sie sich über mangelnden Zuspruch sicher nicht beklagen können.

Dieses Land ist in Aufregung. Und das ist gut so.

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